Elternvortragsabend am 20.04.2016

"Prävention gegen Missbrauch von Kindern im Internet – Was können /sollen die Eltern tun? "

Mit Hilfe der Hanns-Seidel-Stiftung konnten wir für den Vortrag Frau Elke Reiss, Präventionsbeamtin Kriminalpolizei Nürnberg gewinnen. Die Referentin baute ihre Rede folgendermaßen auf (Zusammenfassung von Frau Julia Dillmann, Elternbeiratsvorsitzende):

 

Themen:        1. Netzzensur

                        2. Soziale Netzwerke

                        3. Chats

                        4. Sexting

                        5. Mobbing

                        6. Erste Hilfe

1. Netzzensur

Kinder/Jugendliche googlen „einfache Begriffe“, z.B. Teenager und kommen direkt dabei auch auf Sexseiten wie „youporn“...ohne Probleme zu öffnen und sichtbar sind Hardcore-Pornos mit sehr jungen Menschen, kostenlos! ...schnell auf strafrechtlichen Seiten mit Kinderporno, Tierporno usw

Oder Begriffe wie „Leiche“, IS, Suizid, Krieg, Nazi  usw. zeigen  gleich sehr schreckliche Bilder....

  • Hilfe wären Schutzprogramme auf den Computer(siehe Punkt 6.)

2 .Soziale Netzwerke (facebook, intergram, twitter, WhatsApp usw)

...sind so wichtig und toll, weil ja alle dabei sind, auch die gesamte Familie, Freunde, Tanten und Onkels und Oma/Opa. Man bekommt alles mit, kann Freundschaften halten, die sich „getrennt“ haben durch Schulwechsel...

Gefahren:       -zu viele persönliche Daten werden gezeigt (Fotos, Adresse, Familienmitglieder...)

-die Sicherheitseinstellungen bei facebook werden nicht bearbeitet (z.B. nur die Freunde dürfen alles lesen), ständige Veränderungen und viele Schlupflöcher!

-problematische Fotos/Videos werden ganz schnell verbreitet ohne Stopp und weltweit

- mit „go back“ ist alles wieder herstellbar, auch vermeidlich Gelöschtes.

- die Kids wollen ab einem bestimmten Alter nicht mehr da sein wo alle sind und der Kontrolle unterliegen...deshalb weichen sie auf andere Netzwerke aus.

-Achtung bei „you now“: man kann sich anmelden über Google, twitter oder facebook und die Kamera zeigt automatisch den Nutzer! Ist nicht ausstellbar! Man sendet („streamt“) also live in die Welt

- Straftat Urheberrechtsverletzung: Jugendlicher „dampft“ wütend ins Zimmer ab, macht laut Musik und chattet z.B. über you now... durch die live-Übertragung „verteilt“ man die Musik ohne Erlaubnis und macht sich strafbar, z.B. bei Gema nachlesen, was umsonst ist oder geht.

3. Chats /Chatrooms

z.B. Whats App (ab 16 Jahren/facebook ab 13 Jahren)

Sich und den Kindern bewusst machen, dass es ein vollwertiger Computer mit allen Möglichkeiten und auch Gefahren ist.

Chatregeln aufstellen:

  • zu Beginn nicht alleine chatten

  • mit dem Kind zusammen auch immer wieder „Kontrollen“ machen, auch mit Druck arbeiten: Du zeigst mir alles oder ich nehme alles weg!

  • nicht auf Erwachsenen Chats gehen

  • Täter sind auf Kinderchats und Spiele unterwegs, um hier Kontakte zu knüpfen.

  • guten Nicknamen suchen, nicht den eigenen Namen verwenden.

  • keine Adressen, Nummern oder private Details preisgeben.

  • niemals mit Leuten aus dem Chat verabreden, auch nicht über Gruppen mit Bekannten ein Treffen ausmachen.

  • wenn dem Kind/Jugendlichen was komisch vorkommt, unbedingt stützen, dass es sich an einen Erwachsenen seines Vertrauens wendet und dieser muss sich dann wirklich Zeit nehmen.

4. Sexting

...heißt erotische Bilder/Videos/Texte verschicken, meist über WhatsApp oder Snapchat (dies suggeriert, dass es sicher ist und alles gleich wieder löscht...das ist aber nicht so)

Gefahren:

  • geht an die falschen Personen (oder wird von vermeintlichen „Freunden“ die schnell Feinde sind oder Rachegefühle haben, weitergeschickt!).....das ist eine Straftat, aber die wird in Kauf genommen, weil die Rache wichtiger ist!

  • Wenn kompromittierende Sachen unterwegs sind ist die Scham und die Belästigung sehr groß

  • kann nicht aus dem Netz genommen werden, da es sich so schnell verbreitet und kann einem jahrelang verfolgen (Beispiel: Lehrerin vor 10 Jahren oben-ohne-Bilder an Freund geschickt, dann schmutzige Trennung und Rache, heute im Arbeitsbereich gibt es keinen Jahrgang, wo nicht mindestens ein Schüler diese Fotos dann findet und zeigt!)

  • Hilfe in Beratungsstellen suchen

  • es macht erpressbar

 

 

Was tun, wenn es schon passiert ist?

  • Eine gute Reaktion der Eltern wäre: „Strafe“ kommt von selbst über die Reaktionen des Umfeldes! Lieber dem Kind/Jugendlichen zeigen: „Wir sind für dich da, egal was kommt, wir stehen es durch!“

  • rechtliche Beratung durch einen Anwalt suchen, ggf. eine Unterlassungsklage

  • positive google-Suche „drauflegen lassen“, dass kostet aber Geld!

5. Mobbing

Anlässe und Auslöser für Mobbing

  • im alltäglichen Umgang der Teenager durch „Spass-Ausdrücke“ oder diskriminierende Aussagen schon „ganz normal“!

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    Spannungen im Klassenzimmer, gekoppelt mit Pubertät entsteht schnell Mobbing

  • interkulturelle Konflikte

  • Freunde werden schnell Feinde und die Verteilung über Chats ist schnell und effektiv

Problem:

  • früher war die Mobbingzeit während der Schulzeit von 8-13 Uhr, mit diesen Medien hört es nicht auf, sondern geht den ganze Tag und die Nacht weiter, es gibt keinen Ruhe- und Schutzraum mehr, nur durch Verzicht und Rückzug aus allen Medien?!

  • es erreicht ein unüberschaubares Publikum

  • wahnsinnig schnelle Verbreitung

  • Täter können auch erstmal anonym hetzen mit einem Fakeprofil(gefälschtes Profil)

Was tun?

  • Eltern sollten es nicht herunterspielen sondern sehr ernst nehmen

  • die Privatsphäre schützen durch Rausnahme aller aller privaten Daten/Fotos

  • sich immer wieder selbst googlen, um solche Sachen überhaupt mitzubekommen

  • nicht auf Attacken reagieren, Gefahr der Eskalation

  • Kontakte reduzieren, Gruppenchats beenden(evtl mit einem Vertrauten, der im Chat bleibt, um weitere Auswüchse mitzubekommen)

  • Beweise sammeln durch abfotografieren und ausdrucken, bei Anzeige bei der Polizei wichtig

  • Schule und Klassenleiter, Trainer o.ä. zuständige Erwachsene, die es mitbekommen könnten,informieren

  • Jugendbeauftragte bei der Polizei aufsuchen

  • Auf keinen Fall die Sache in die eigene Hand nehmen und den„Täter“ mit Familie konfrontieren, z.B. „Ihr Kind hat...“

  • ggf Strafanzeige erstatten

  • „by stander“ (Mitwisser) sind auch Mobber! Mit dem eigenen Kind darüber sprechen, dass es nicht zusieht und nichts macht, sondern hilft. Diese können sonst auch wegen unterlassener Hilfeleistung im Extremfall dran sein – strafrechtliche Konsequenz möglich.

6. Hilfen

- mit den eigenen Kindern sprechen, fragen, informieren, im Gespräch zu ihren wichtigen Themen bleiben

- Kamera abkleben?!

- Spiele vorher checken, es gibt auf youtube meist immer Videos dazu über Altersfreigabe und Inhalte z.B. GTA 1-5 („Autorennen“ ist ab 18 Jahren, Verbrecher wird von Polizei verfolgt, weil er sehr vorher heftige und detaillierte Straftaten begehen muss!! Sehr fragwürdig!)

- Schutzsoftware installieren, z.B. JUSP PRO STOP, Kinderschutz Software, www.surf-sitter (Kinder-sicher-online)

Diese Jugendschutzprogramme sind geprüft durch KJM Kommission für Jugendmedienschutz.

-gleichzeitig kindgerechte Seiten anbieten

- für Handy gibt es nur ganz neue Schutzseiten, die noch nicht geprüft sind....

z.B. Vodafone Child Protect oder auch Surfgarten Deutsche Telekom

- JUSPROG; klick safe de, schau hin, youtube Schutzseiten = fürs bessere Verständnis und Schutz

-www.computerbetrug.de = Info über neusten kriminellen Sachen

-internet-beschwerdestelle = wenn man etwas sieht und es nicht ok ist, dort angeben

 

Julia Dillmann, Vorsitzende des Elternbeirates